Schöne Neue Welt

Willkommen in Europa, dem neuen Superland
Freut euch, ihr armen Schweine, wir nehmen euch bei der Hand
Die Welt wird endlich einig sein, bald gibts auch Gold und Geld
Ihr werdet alle so wie wir, wir sind das Glück der Welt

Jeder Atemzug ist ökonomisch funktionalisiert
Jeder Zufall wurde abgestellt, jede Bewegung programmiert
Du kannst doch nicht gesund sein, wenn Du nicht europhorisch bist
In dieser Welt voll Stil und Schönheit, die auf dem Weg zur Zukunft ist

Willkommen in der schönen neuen Welt
Wo alles optimal ist, wo es an nichts fehlt
Das Böse ist vernichtet, das Glück bei Quelle bestellt
Willkommen in der schönen neuen Welt

Bullen knüppeln durch die Straßen, kannst Du die Schreie hören?
Weil wir diese hohen Herren dort beim Freßgelage stören
die im Palast darüber heulen, bei Nobelfraß und Sekt
daß irgendwo jede Sekunde ein Kind an Hunger verreckt!

Text/Musik : Oliver Stöhr

 

Glashaus

Schon als Kind hast du gelernt: trau dem guten Onkel nicht
Er will dich nur verführen, wenn er mit Engelszungen spricht
Da schreien wir alle gegen Shell, ein Kanzler schreit auch mit
Im Morgengrauen schraubt der gleiche Herr am Transrapid

Der Scherbenhaufen wächst
Denn das Glashaus zerbricht
Legt nur weiter Feuer
Nur auf uns zählt dabei nicht

Schon begibt er sich auf Kreuzzug gegen Russen-Reaktoren
Doch als er noch am Siegen ist, hat er schon längst verloren
Denn der Plan ist längst durchschaut, den er sich ausgeheckt
Weil hinter seiner Maske der Mörder aus der Elbmarsch steckt

Text/Musik: Oliver Stöhr

 

Wir können warten

Alle Zeichen stehen auf Sturm, die Dummheit hat gesiegt
Wir amüsieren uns köstlich darüber, daß ihr niemals genug kriegt
Idioten latschen durch die Straßen, jeder ist ein Held
Man zeigt sehr gerne, was man hat und ganz besonders gern sein Geld

Alle rennen um die Wette wenn der Rubel rollt
Nur hat euch die allerneueste Mode schon gestern eingeholt
Doch um das zu sehen seid ihr viel zu blind
Strotzt vor Selbstgefälligkeit
Seid stolz auf das, was ihr geschaffen habt - ihr seid noch lange nicht soweit

Wir können warten, ihr wißt, wir haben jede Menge Zeit
Wir können warten, von uns aus bis in alle Ewigkeit
Vielleicht wird's eines Tages ja wirklich noch mal was
Und wenn nicht, war's für uns alle einfach bloß ein Riesenspaß

Die Maschine läuft unaufhaltsam weiter, und bin ich auch dabei
Fühl' ich mich auf irgendeine Art einfach unbeschreiblich frei
Euer Luxus ist der gespielte Witz und eure Sicherheiten auch
Wenn wir sehen, wie ihr dafür buckelt, halten wir vor Lachen uns den Bauch

Wir sind die Pazifisten mit der Kanone in der Hand
Und wir wollen nicht krepieren in einem unbekannten Land

Ihr sagt, wir sind total verrückt, gehören eingesperrt, doch wenn ihr das sagt
Dann bin ich froh, dann sind wir so, wie ich es mag
Denn eure ach so heile Welt ist vom Schwachsinn total verzerrt
Ihr fallt noch mal über die eigenen Füße, das wird für uns ein großer Tag

Text/Musik: Rainer Schmidt

 

Der Pazifist

Du kannst schreien, doch keiner wird dich hören
Obwohl du meinst, du hast die Antwort
Doch du kannst nichts tun als zu verlieren
Depression tötet jede Hoffnung

Hast keinen Bock mehr, in einer Welt zu leben
In der das Recht des Stärkeren zählt
Wie arm sind wir selbst, daß wir's nicht anders können
Und du mußt damit leben, daß du glaubst, du
weißt, wie's geht

Stehst ja selber mittendrin
Und dennoch ist dir alles fremd hier
Du glaubst vielleicht, daß du so richtig anders bist
Doch du hast viel zuviel von all dem in dir

Manchmal möcht' ich mir die Kugel geben
Und abhauen, scheißegal, wohin
Und wen würde das hier auch interessieren
Ich weiß ja selbst nicht so genau, wer ich eigentlich bin

Und manchmal möcht' ich Bomben legen
Wenn ich blind bin vor lauter Ohnmacht und Wut
Doch der neueste Wahnsinn macht mich restlos fertig
Verreckt doch an eurem blauen Blut!

Ich bin ein Pazifist mit der Kanone in der Hand Und ich bin genial - aber eigentlich nur krank
Hat es Sinn, weiterzumachen
Und gegen Wände zu schreien
Ich kann und will es noch nicht fassen
Wie schwer es ist, ein Mensch zu sein

Text/Musik: Oliver Stöhr

 

Weberlied

Im düsteren Auge keine Träne
Wir sitzen am Webstuhl und fletschen die Zähne
Deutschland, wir weben dein Leichentuch
Wir weben hinein den dreifachen Fluch
Wir weben, wir weben

Ein Fluch dem Gotte zu dem wir gebeten
In Winterskälte und Hungersnöten
Wir haben vergebens gehofft und geharrt
Man hat uns geäfft, gefoppt und genarrt
Wir weben wir weben

Ein Fluch dem König, dem König der Reichen
Den all das Elend nicht konnte erweichen
Der den letzten Groschen von uns erpreßt
Und uns wie Hunde erschießen läßt
Wir weben, wir weben

Ein Fluch dem falschen Vaterlande
Wo nur gedeihen Schmach und Schande
Wo jede Blume früh geknickt
Wo Fäulnis und Moder den Wurm erquickt
Wir weben, wir weben

Text: Heinrich Heine/Gerhard Hauptmann

 

Leck Mich!

Ich hab mir deine Lieder angehört
Und alles, was mich daran stört
Wo ist die Message für die Kids?
Sing von den Bösen, so schreibt man Hits
Wir brauchen neue Helden
Sing über Politik und üb Kritik

Was für 'ne verdammte Scheiße!
Ist nicht alles schon 1000 mal gesagt?
Und was in meinem Hirn so vorgeht
Danach hast du mich nie gefragt
Willst du gegröhlten Billigwix
geh' in die Kneipe nebenan
Simple Beats und blöde Texte
Die jeder Depp gleich mitschrei'n kann
Das kannst du haben!

Leck mich!
Du gehst mir voll am Arsch vorbei
Leck mich!
Was bildest du dir ein, was glaubst du, wer du bist?
Ich brauch dich nicht

Es spielt keine Rolle, wie du wirklich bist
Und was du denkst, das juckt kein Schwein
Für die Idioten vor der Box
Mußt du nur der Revoluzzerkönig sein
Sei der Härtner für das blöde Pack
Und greif dir ständig an den Sack

Ich hab keinen Bock mehr, davon zu singen
Woran ich selber nicht mehr glaub
Wenn ich hör, was du für eine Scheiße laberst
Stell' ich mich einfach taub
Ich mach Krach, solange ich Lust hab'
Und vor allem nur zum Spaß
und ich sing' über Dinge die mich beschäftigen
Wie Liebe, Tod und Hass
Und wenn du mir auf die Eier gehst
Dann singe ich über dich

Text/Musik: Rainer Schmidt

 

Die Abrechnung

Liebe mag vom Himmel fallen, Haß aber nicht
Und ob Terror legitim sein kann, im Ernst, ich weiß es nicht
Waren es Verbrechen, als RAF-Rebellen schossen?
Wer weiß, nur eins ist sicher: Die Falschen haben sie nie getroffen

All eure Schikanen, Beleidigungen und Lügen
Kann ich ja vielleicht noch ignorieren
Doch möchte ich einfach nur noch draufhauen
Muß ich gerade euch noch Reden von Moral halten hören

Ja eines ist klar:
Keiner von uns hier hat Spaß an Terror und Gewalt
Doch die totale Ignoranz mit der ihr dieses Land regiert
Läßt uns zum Glück genausowenig kalt

Und langsam seh' ich ein, es ist sinnlos, was zu sagen
weil das eh über euer Verständnis geht
Doch was soll man auch erwarten von einer Sorte Mensch
die selbst den Ausbruch von Gewalt noch mißversteht

Manchmal schießen wir über unser Ziel hinaus
Ja, manchmal gehen wir einen Schritt zu weit
Nur würde ich gerne von euch da oben auch nur einmal hören
Dieses oder jenes tut euch leid!

Gewalt ist keine Lösung, hör ich euch so oft sagen
Da habt ihr Recht, und trotzdem lach' ich laut
Denn was als Gewalt gilt, bestimmt euer Gesetz
Und das ist es, dem niemand von uns traut!

Text/Musik: Oliver Stöhr

 

Ohne Kalorien

Friß die Pille,
die den Mund bis hoch an beide Ohren zieht
Damit du deiner ausgefransten Fresse
dann die neue Faltencreme gibst

Denn alles ist in Ordnung
Alles ist OK
Friß nur brav dein Zuckerstück
dann tut es nicht mehr weh

Von sanften Klängen hingetragen
schiebe deinen Einkaufswagen
Sei dabei, kaufe fleißig
Selbstmord auf Raten für zweinneununddreißig

Hol dir Eiter in Tüten!
Kauf dir Blut aus dem Süden
weil das schön macht
ohne eine Kalorie!
Kommt herein ins Hexenhaus
Wir schießen euch die Ampel aus

Text: Oliver Stöhr Musik: Oliver Stöhr/Jens Kuchenbecker

 

Schweine

Hast Du auch einmal geglaubt, es wäre vorbei
Mit Ducken und Maulhalten aus lauter Angst?
Hast Du auch einmal geglaubt, hier wärst Du frei
Und das alles besser wird als vorher?

Doch der Haß in den Augen ist viel größer als vorher
Und in jedem Ellenbogen ein Maschinengewehr
Schnell hast Du gemerkt, daß Du schon wieder spurst
Nur daß du diesmal nicht recht weißt, wen Du dafür hassen sollst

Es scheint wahr
Es gibt hier wohl kein Bautzen mehr
Warum auch?
Das haben wir gar nicht nötig hier
Den Knast, der Dich bei der Stange hält
Wo das doch auch ganz anders geht

Das alte Monster war zu fassen, denn Du konntest es sehen
Doch das hier ist es nicht - und das ist unser Problem
Du kommst Dir vor wie Don Quichote, der gegen Windmühlen drischt
Gestern haben sie wieder einen aus der Lahn rausgefischt
SCHWEINE !

Text/Musik: Oliver Stöhr

 

Fischfett

Wünsche, die im Klo ertrinken, Träume, die nach Fischmehl stinken
Alles neu macht der Mai - ein Scheißdreck wird passieren
Leere Versprechen gestern, heute, morgen
Mach dir bloß mal keine Sorgen
Alles wird gut - wir werden's wieder nicht kapieren

Nichts ist anders, alles neu, ich geh baden, dabei bin ich wasserscheu
Keiner hält mich fest, weil sich jeder selbst der Nächste ist
Plötzlich stand die Straße auf und schlug mir ins Gesicht
Weshalb und wie ich herkam, das weiß ich leider nicht

Und eine neue Nacht liegt hinter mir
Ich wach' besoffen auf
Ich seh' die ganze Scheiße hier
Und setz' noch einen drauf

Eine schlimme Nacht liegt hinter mir, was ist denn bloß passiert?
ich hab' versucht was zu erzwingen, doch die Zeit war noch nicht reif
Nach fest kommt ab, das weiß wohl jedes kleine Kind
und ich hab's trotzdem ausprobiert

Text/Musik: Rainer Schmidt

 

Euer Tod

Belächelt oder ignoriert, nichts mehr, was noch provoziert
Bunte Neoplan-Figuren, Hinterhalt und Schweizer Uhren
Gleitzeit, Freizeit, retten Wale, reden offen, bunte Haare
Ist auch alles wunderbar- Trotzdem geht's mir noch so mies wie vorher

Ihr habt gelernt, mit uns zu leben
Fühlt euch sicher nicht bedroht
Ich wünsch' euch, dieser schöne Glaube
Ist dereinst mal euer Tod
Euer Tod!

Haben wir zuviel zu verlieren, um uns für unser Recht zu wehren?
Wenn das so ist, ist 1984 längst vorbei!
Hinterhältige Geschenke, schürt den Kampf an der Wassertränke
Dort wird Mißtrauen ausgesät- killt die Solidarität.

Und du tust genau die Dinge, die du haßt seit Jahren schon
Bis du dich selbst nicht mehr erträgst
Das ist dann deine Depression
Und wenn du eine Zeit dabei bist, weißt du, wer den Traum blockiert
Und das ist die Entdeckung, die Haß und Tobsucht schürt

Text/Musik: Oliver Stöhr

 

Der neue Weg

Lang geschlafen, endlich wach, geweckt von einem Riesenkrach
Reib dir die Augen und steh auf, wenn du IN bleiben willst
Hektik, Bilder, bunte Lichter, auf's Ohr stülp' ich dir 'nen großen Trichter
Da kipp' ich alles rein bis du überquillst
Ich pump' dich aus, ich stopf' dich voll,
am Ende findest du's sogar noch toll

Pubertäre Hippies zeigen dir den neuen Weg,
der vorbei an alten Freunden in die Fremde geht
Schlaue, kleine, doofe Kids, die engagieren sich sehr
Doch auf Papas Kosten Freiheit leben fällt nicht gerade schwer
Hab' ich was verlernt oder bin ich schon zu alt?
Ich will gar nicht so sein wie ihr, ihr laßt mich völlig kalt.

Und war es an der Zeit, dann warteten wir schon
Auf der brutalen Nagetiere neueste Kooperation
Wir lieben diesen Krach, er ist Musik in unseren Ohren
Der Spaß ist da, wo du ihn machst, wir fühlen uns frei geboren
Ist das denn nichts?

Text/ Musik: Rainer Schmidt

 

Treibsand

Seit ein paar langen Nächten sind wir jetzt schon hier
Haben noch ein bißchen was zu fressen
Und den Kühlschrank voll Wein und Bier
Alles ist so neu und anders als fängt es jetzt erst an
Weg und völlig aufgedreht und ohne jeden Plan

Laßt uns geh'n durch die nächste Nacht
eine Freifahrt ohne Ziel
Auf der Achterbahn bis zur Endstation
uns erwartet noch so viel

Es wird wieder dunkel und die Nacht bricht schon herein
Wir wollen eine Woche auch nicht einmal nüchtern sein
Alles zieht an uns vorbei, wie ein bunter Traum
Der Rest der Welt ist ein anderer Stern, er interessiert uns kaum

Niemand kann uns jetzt noch stören - egal, was er auch macht
Wir brechen wieder auf zum Ende einer neuen Nacht

Text: Oliver Stöhr, Rainer Schmidt Musik: Oliver Stöhr